22. Jun 2016

Ausstellung „Prison S-21 – Das Foltergefängnis der Roten Khmer“

Fotoausstellung „Prison S-21 – Das Foltergefängnis der Roten Khmer“ in der Gedenkstätte ROTER OCHSE in Halle

Im Februar 2011 reiste ich für verschiedene Fotoprojekte nach Südostasien. In Kambodscha gehörte natürlich ein Besuch der bekannten Tempelanlage von Angkor Wat dazu, die viel über die Geschichte des Landes erzählt. Doch ein anderer Ort sollte mich noch tiefer beeindrucken. Bei meinen Recherchen zur Geschichte Kambodschas stieß ich unweigerlich auf die Roten Khmer. Klar, der Name sagte mir etwas. Aber wer genau sie waren und welche Gräueltaten sie begangen haben, wurde mir erst allmählich bewusst.

Viele Reisende, die ich in Kambodscha traf, erzählten mir von dem ehemaligen Gefängnis „Prison S-21“ in der Hauptstadt Phnom Penh und rieten mir eindringlich, es zu besuchen. Daniel aus Großbritannien etwa sagte, er habe auf der ganzen Welt noch nie einen Ort gesehen wie dieses frühere Foltergefängnis der Roten Khmer. Ein Ort des Grauens, der den Genozid an der kambodschanischen Bevölkerung auf drastische, weil überaus authentische Weise vor Augen führt. Denn in dem heutigen Museum wurde vieles so belassen, wie es bei der Befreiung vorgefunden wurde.

Es war der 11. Februar, ein Taxi brachte mich zu einer kleinen staubigen Straße am Stadtrand von Phnom Penh. Heruntergekommene Gebäude, ein grüner Innenhof: Wie ein Gefängnis, eine Folteranstalt wirkt das alles auf den ersten Blick nicht. Eher wie ein alter Schulkomplex, den die Gebäude ja ursprünglich auch bildeten. Doch da ist diese Stille. Ich sehe zwar viele Touristen auf dem Gelände des Tuol-Sleng-Genozid-Museums – doch niemand sagt ein Wort.

Mir fällt der Stacheldraht an einer der maroden Fassaden auf. Und ich erfahre, was es damit auf sich hat: Das zu Gefängniszeiten unter Strom stehende Stacheldraht-Geflecht an allen drei Stockwerken sollte verzweifelte Gefangene daran hindern, Selbstmord zu begehen. Ich betrete den ersten Raum. In dem ehemaligen Klassenraum, der von den Roten Khmer zum Folterzimmer umfunktioniert wurde, steht nichts als ein altes Bettgestell mit einer kleinen Kiste darauf. Vom Bett baumelt eine Kette mit Schloss. Mehr nicht. Im nächsten Raum bietet sich ein ähnliches Bild. Doch hier hängt noch ein Foto an der Wand: eine Originalaufnahme, die einen toten Gefangenen zeigt.

Das Bild wirkt so schockierend auf mich, dass ich eigentlich wegsehen will. Angekettet liegt dieser Gefangene auf einem blanken Bettgestell, blutüberströmt, zu Tode gefoltert. Unzählige Gedanken schießen mir durch den Kopf, ein beklemmendes Gefühl erfasst mich. Starb der Mann in diesem Raum? Was musste er erleiden? Mit dem Wissen, dass mindestens 14.000 Menschen im „S-21“ umkamen, gehe ich weiter. Auch in den folgenden Räumen befinden sich alte Bettgestelle, Eisenstangen, Kisten, Ketten. Und immer wieder Fotos von Insassen, die an den Torturen gestorben sind.

Es gibt in diesem Gebäude nur wenige Informationstafeln – von hochmodernem Ausstellungsequipment, wie es heute vielerorts üblich ist, ganz zu schweigen. Doch ich habe selten einen Ort gesehen, an dem Geschichte – in diesem Fall eine äußerst brutale – so direkt und authentisch vermittelt wird.

In einem anderen Haus werden weitere unzählige Fotos von Gefangenen und Toten gezeigt. Die Roten Khmer haben alle Geschehnisse in dem Gefängnis peinlich genau dokumentiert. Man schaut in die Gesichter und sieht Angst, Verzweiflung, Resignation. Doch dann auch wieder Stolz und Trotz. Das Wissen um die entsetzlichen Qualen, denen die Häftlinge ausgesetzt waren, macht mich fassungslos – und trotzdem befinde ich mich genau dort, wo all das passierte. Der Tod ist hier noch immer allgegenwärtig.

Nach etwa drei Stunden verlasse ich das Museum. Drei Stunden der Stille, die noch lange nachgewirkt haben.

Fotoausstellung in der Gedenkstätte ROTER OCHSE in Halle mit 30 grossformatigen Bildern

Am Kirchtor 20 b
06108 Halle (Saale)
Telefon: 0345 220 1337 

Ausstellungszeitraum:
09.06. bis 04.10.2016 

Öffnungszeiten:
Di bis Fr.: 10 – 16 Uhr
Jedes erste Wochenende im Monat: 10 – 17 Uhr

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